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Montag, 3. Januar 2005

Feindesland

Für die neuen Mitbewohner ist alles weitestgehend vorbereitet. Nur die Suche nach ihnen ist nicht so einfach. Heute habe ich mich nun erneut erfolglos auf diese begeben und dabei No-Go-Areas betreten. Nicht nur, dass dort eine unerwünschte Begegnung sehr leicht zu Stande kommen könnte - meine Sichtung in diesen Regionen könnte auch zu falschen Schlussfolgerungen führen. Was mir bald noch unangenehmer wäre.

Radau

Gestern Abend fing es an zu hageln und ein gewaltiges Gewitter zog auf. Grelle Blitze und krachender Donner stellten sämtliche Silvesteraktivitäten in den Schatten. Und auch woanders wurde reichlich Lärm gemacht, nachdem sich zunächst eine drohende Stille aufgebaut hatte.

Sonntag, 2. Januar 2005

Sturmhöhe

Draußen tobte heute der Sturm. Seine Kräfte spürt man hier oben besonders gut. Er heulte und pfiff ums Dach. Das ganze Haus ächzte. Die Fensterrahmen klapperten. Der Regen prasselte hernieder. Die Zweige der Esche peitschten gegen die Scheiben. Öffnet man die Fenster ein kleines Stück, drängen sich die Zweige sofort in die Wohnung, als würde der ganze Baum hier Zuflucht suchen wollen. Und inzwischen ist dieser Ort einer Heimatlosen Heim geworden. Nach und nach kehrt hier Ruhe ein. Kein Heathcliff mehr, der hier drinnen wüten würde. Trotz alldem, was zwischen diesen Wänden passiert ist, gibt es nun keinen besseren Ort für mich.
Silvester hat es mich dann aber doch nach draußen gezogen. Ganz so exzessiv wie die letzten Jahre lief dieser Jahreswechsel allerdings nicht ab. Einige Déjà-vu-Erlebnisse von neutraler bis angenehmer Natur wirkten etwas verwirrend, ebenso wie einige Bemerkungen, über die ich noch nachdenken werde. Es war aber auf jeden Fall wieder ein sehr schöner Start ins neue Jahr.

Freitag, 31. Dezember 2004

Hier gibt es nichts zu sehen,

bitte weiter gehen!

Das werde ich auch tun. Zu Silvester passiert hier nämlich nichts. Und jeder wird doch hoffentlich heute etwas besseres zu tun haben, als sich z. B. dieses Blog anzusehen.

2004 konnte ich mich wirklich nicht über mangelnde Abwechslung beschweren, genauer gesagt, waren es mitunter recht heftige Turbulenzen. Und die waren oft nicht angenehm. Zudem selbstverschuldet - anders kann man es nicht bezeichnen, wenn man Irrwege wider besseren Wissens beschreitet. Aber nun wird, was bei mir viel zu wenig passiert, nach vorn geschaut:

2 0 0 5

Es kann nur besser werden...
Also allen ein gutes/besseres neues Jahr!

Mittwoch, 29. Dezember 2004

Woran man erkennt, dass man verliebt ist und wie man sich dann verhält

verliebt



"Warum stehen dem die Haare zu Berge?"

"Der ist verliebt."

"Was macht man denn, wenn man verliebt ist?"

"Dann heiratet man."

Dienstag, 28. Dezember 2004

Überstanden

Die frohen Tage. Mit einer Mutter, die nicht meine Mutter ist, und deren Unsensibilität und Unverständnis bei mir noch immer Fassungslosigkeit und Traurigkeit hinterlassen. Mit einem Gespräch mit meinem Vater, den ich erst einmal in meinem Leben gesehen habe. Neben seiner depressiven Verstimmtheit, grausamen Geschichten und der Unfähigkeit, die getrunkenen Rotweinflaschen zu zählen, kam bei mir die Frage auf, ob nicht auch passive Selbstverstümmlung vererbbar ist.
Hinzu kam dann noch ein Virusinfekt mit starkem Schüttelfrost. Vor kurzem las ich den Aufdruck auf einem Mantel: "This coat is warmer than my family".
Krönender Abschluss war die gestrige Begegnung mit der leider immer noch nicht verarbeiteten und schmerzhaften Vergangenheit. Nur ein kurzer Blickkontakt. Aber so etwas kann ja jemanden, der einen Stahlpanzer um sein Herz trägt, nicht berühren; die unsauberen Schweißnähte wurden ganz schnell wieder geflickt.
Aber es gab ja zum Glück auch einen Lichtstrahl in diesen dunklen Tagen - das kleine Monster sorgte dafür.

Freitag, 24. Dezember 2004

Ach, ja ...

Frohe Weihnachten!

whynachten

Dienstag, 21. Dezember 2004

Young Adam


Großbritannien/Frankreich 2003
Regie: David Mackenzie
Darsteller: Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan


youngadam


Was braucht man mehr im Leben, als einen Kahn, der den Wasserläufen (so der deutsche Titel der Romanvorlage von Alexander Trocchi) folgt. Rauchen und auf das Wasser starren. Unbeeindruckt von dem, was die Wellen aus dem vorherigen Leben herantragen. Und wenn der Vergangenheit ein Bein von der Leichenbarre fällt, lächelt man der Zukunft zu. Eine Zukunft, die keine ist, weil alles egal ist. Ladung wird auf- und abgeladen, den Dreck, der danach an einem bleibt, wäscht man einfach ab. Zwischendurch bleibt immer noch genug Zeit für ein gutes Buch und noch viel mehr Zeit, zu f*cken, wie es sich gerade so ergibt.

"Bereust du es?"

"Was würde das nützen?"

Es gibt nichts zu bereuen, wenn alle schuldig sind. Übrig bleibt ein Leben voller Tristesse und Sinnlosigkeit.

Montag, 20. Dezember 2004

Niemand ist allein

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Es ist doch immer wieder schön, wenn einem jemand hilfreich zur Seite steht.

Sonntag, 19. Dezember 2004

Lob der Faulheit

Ein wunderbares Gefühl, einige Zeit überhaupt keine Verpflichtungen zu haben. Die Mumien der Vergangenheit belässt man in ihren Sarkophagen. Das kleine Monster ist für ein paar Tage gut untergebracht und bei seiner Rückkehr auch wieder herzlich willkommen, aber ein paar Tage Ruhe sind doch recht erholsam. Und die große Mutation, die man immer wieder zurückdrängen muss, um nicht vollkommen verschlungen zu werden, wurde per Antrag für drei Wochen ebenfalls von mir verbannt (Jaja, in Zeiten wie diesen sollte man froh sein, überhaupt eine kleine Mutation zu haben).
Es gibt genug Sachen, die man nun endlich mal machen könnte. Ich wählte die dringendst notwendige: Nichtstun.

Freitag, 17. Dezember 2004

TV-Tipp: Der Bataille hat immer Recht - Gott im Fernsehen

Georges Bataille - So weit das Auge reicht

Heute um 23:40 auf ARTE
(Wiederholung: 19.12.2004 um 01:35)

Man muss Georges Bataille (Philosoph, Schriftsteller, Kunsttheoretiker, Anthropologe - Metaphysiker des Bösen ... doch die Vielfalt seines Werkes sprengt alle üblichen Schubladen) nicht in allem Recht geben. Und auch Götter sind fehlbar.

Und dennoch...
Nie zuvor und nie danach hat es jemand geschafft, meine Gedanken so explodieren zu lassen. Denn bei diesem Ekstatiker zwischen Eros und Tod fängt alles im Kopf an. Mit Worten, die allerdings von diesem Ballast, nicht umsonst gibt es Begriffe wie kopflastig, befreien. Und nicht ohne Grund hieß die von ihm mitgegründete Geheimgesellschaft Acéphale.
Selbsterfahrung wird erst möglich durch Bewusstseinserweiterung (geht übrigens auch vollkommen ohne Drogen), durch Grenzüberschreitungen. Frei ist niemand und ohne Grenzen zu leben, unmöglich. Aber erst, wenn man Grenzen überschreitet, erfährt man die volle Intensität. Eine Intensität, in der man sich selbst auflöst und zugleich erst dadurch erkennen kann. George Bataille hat wie kein anderer diese innere Erfahrung in Worte fassen können. Die zwar auch nur Umschreibungen sein können, denn das Unbenennbare lässt sich nicht mit Worten wiedergeben. Die Worte, die Georges Bataille dazu findet, sind dennoch reine Poesie und wahrlich göttlich.
Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Feuer in eine Dokumentation zwängen lassen kann.

Donnerstag, 16. Dezember 2004

Das Ende einer Beziehung

Er war immer sehr hitzig. Eine Berührung von mir und er wurde heiß. Egal, zu welcher Uhrzeit. Ich konnte mitten in der Nacht meine Forderungen an ihn stellen, er reagierte sofort. Und auch morgens konnte ich nie auf ihn verzichten, mein erster Handgriff richtete sich an ihn. Ja, er war schon in die Jahre gekommen. Hatte so seine Macken. Wer hat die nicht? Ich dachte, damit umgehen zu können. An eine Trennung dachte ich nie. Für die Ewigkeit mag sich übertrieben anhören, aber so hatte ich es mir wohl vorgestellt.
Und nun, heute Morgen, war da nur noch Kälte. Mit Worten konnte ich ihn noch nie erreichen. Ich bemühte mich, ihn doch noch zu einer Reaktion zu veranlassen. Nichts. Und gerade morgens schätzte ich bisher seine Zuverlässigkeit. Das ist schon sehr enttäuschend. Aber ich glaube nicht daran, dass er sich noch mal auf mich einlässt. Das war es nun also. Unsere Wege werden sich trennen. Ich werde mich nach einem neuen Wasserkocher umsehen müssen.

Mittwoch, 15. Dezember 2004

Traue keiner Statistik, die ...

... oder PISA wohl dann doch:

Zwei Kiddies vorm Fleischkühlregal. Irritiert auf ihren Einkaufszettel starrend.

"P-u-t-e-n-f-l-e-i-s-c-h."
"Hm, hier ist Hähnchenfleisch."
"Nehmen wir das. Das ist doch dasselbe."
"Quatsch. Das ist doch nicht dasselbe. Hähnchenfleisch ist doch Schweinefleisch."

Kalte, klare Luft - ist nicht ganz rein

Sehr klar. Aber nicht klar genug, um bis in alle Tiefen Klarheit zu bringen.

Sehr kalt. Aber nicht kalt genug, um Unerwünschtes erfrieren zu lassen.

Die Sehnsucht nach Schnee. Tanzende Flocken, die langsam und behutsam alles mit einem reinen Weiß zudecken.

(Heute Morgen)
development